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Gefangenenzeitschrift

Am 6. Oktober 1990 tagte erstmalig ein Ausschuss der damaligen Gefangenenmitverantwortung (GMV) in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Uelzen. An jenem Tag wurde der Gedanke erörtert, eine Zeitung von und für Gefangene zu erstellen. Begriffe wie: „Förderverein“ sind aus dem Protokoll des „Unterausschuss Zeitung“ zu entnehmen.

Die erste Ausgabe erschien Ende 1990, Anfang 1991. In regelmäßigen Abständen tagte nun dieser Ausschuss, der im Januar 1991 zur ersten Grundversammlung der„Rififi" führte - also hatte die Zeitung nun auch einen Namen.

Am 22. April 1991 wurde es offiziell; den Unterausschuss gab es nicht mehr, stattdessen gab es nunmehr eine Redaktionsgemeinschaft „Rififi“. Als Obmann war in der Anfangszeit der Sozialarbeiter Herr Grosse zuständig - Herr Haustein folgte wenige Jahre später.

Die erste „öffentliche“ Redaktionssitzung, in der JVA Uelzen, fand am 12. August 1991 statt. Öffentlich natürlich nur innerhalb der JVA. Wegen eines geplanten Zeitungsverkaufs, auch außerhalb der Anstalt, wurde zu dieser Zeit darüber diskutiert ein Gewerbe anzumelden. Dieser Gedanke wurde jedoch wieder verworfen. Bereits am 16. Oktober 1991 erschien die zweite Ausgabe unter dem Namen „Rififi“. Diese, wie auch die folgenden Hefte, wurden von den Redakteuren per Hand zusammengelegt. Bei einer Auflage von 500 Exemplaren musste jeder Redakteur genauso oft um den Tisch gehen, um jede Seite einzeln auf die nächste zu legen, bevor alle zusammengeheftet werden konnten.

Am 1. November 1993 erhielt die Redaktionsgemeinschaft einen eigenen Raum für ihre Arbeit, den sie sich mit der GMV teilte. Neben den Redaktionssitzungen bot die Redaktionsgemeinschaft auch Sprechstunden an, in denen Anregungen und auch Kritik vorgebracht werden konnten. Die Beiträge wurden mit der Schreibmaschine - häufig auch handschriftlich verfasst – mit Handzeichnungen aufgewertet und anschließend kopiert.

Damals stand der Zeitung „Rififi“ noch ein Haushalt vom Justizministerium in Höhe von jährlich DM 500,- zur Verfügung. Als Herausgeber der Anstaltszeitung wurden die Insassen der JVA Uelzen im Impressum genannt. Der Einzelverkaufspreis betrug zu dieser Zeit 2,- DM; die Redaktion war zusätzlich auf die Spendenbereitschaft der Leserschaft angewiesen.

Die Redaktion bestand Anfang 1994 aus 4 Personen und weiteren „externen“ Mitarbeitern. Eine geringe Beteiligung der Leser war damals wie heute spürbar. So klagte die Redaktion Anfang 1994: „Wir versuchen weiterhin informativ und unterhaltsam zu sein. Doch das fällt uns immer schwerer, denn wir bekommen immer noch zu wenig Leserbriefe. Wenn dann doch mal einer dabei ist, handelt es sich meist um Motzartikel. Versucht mal ein bißchen objektiver zu sein.“

Im Dezember 1994 bestand das Redaktionsteam aus 5 Personen, die Auflage sank auf 300 Exemplare. In den kommenden Monaten ruhte die Arbeit, da es erhebliche Schwierigkeiten zwischen der Redaktion und dem damaligen Anstaltsleiter Herrn Rappat gab, der Vorbehalte gegenüber der Betätigung einiger Redaktionsmitglieder hatte.

Erst im November/Dezember 1995 sollte das nächste Heft erscheinen - nach fast vollständigem Wechsel in der Redaktion und einer verkleinerten Auflage von nur noch 200 Exemplaren. Dafür konnten bis Juli 1996 bereits 3 Ausgaben fertiggestellt werden.
Seit 1996 versuchten die Redaktionsmitglieder, zur Erleichterung ihrer Arbeit, einen Computer zu bekommen. Alle Versuche wurden zu dieser Zeit, aus Gründen der Sicherheit und Ordnung, noch im Keim erstickt. Doch die Redaktionsgemeinschaft wollte nicht lockerlassen, denn alle anderen Gefangenenzeitschriften hatten schon längst einen Computer. Die Redaktionsgemeinschaft der „Rififi“ hingegen, schrieb ihre Zeitung noch immer mit der Schreibmaschine.

Im Februar 1997 betrug die Auflage 300 Exemplare zu einem Verkaufspreis von je 3,- DM. Ebenfalls 1997 entschied sich der „Uelzener Appell“ für den Druck der „Rififi“ DM 5.000,- zu spenden. Die Redaktionsgemeinschaft war hierfür sehr dankbar, denn dieses Geld sicherte das Erscheinen mehrerer „Riffi“ Exemplare.

Während die Uelzener Redaktion Ende 1999 noch immer mit der Schreibmaschine arbeitete, verfügte die Redaktion des „Lichtblicks“ in der JVA Tegel bereits über einen Internetzugang.

Seit 2000 sind nicht mehr die Gefangenen die Herausgeber, sondern die Anstaltsleitung. Nichtsdestotrotz konnten aber weiterhin kritische Artikel veröffentlicht werden. Die kritischen Themen ziehen sich, wie ein roter Faden, durch alle Exemplare der „Rififi“ und sind auch noch Jahre später immer wieder ein Stein des Anstoßes. Es ging hauptsächlich um die Einsparungen, die in vielen Bereichen auch heute noch anzutreffen sind. Die hohen Preise beim Einkauf und den zu geringen Arbeitsverdienst oder die Tatsache, dass einige Gefangene nicht rechtzeitig DVD's oder Bücher an die Bücherei zurückgeben. Im Jahr 2000 erhielt nun auch die Redaktion der JVA Uelzen einen Computer.

Aber auch Positives lässt sich über die Jahre aus den alten „Rififi“ entnehmen. Hierzu zählten u.a. die schulischen Aus- und Weiterbildungsangebote, die viele Gefangene nutzten und die psychologische Betreuungsmöglichkeit.

2008 übernahm Herr Bauer die Funktion des Obmanns und löste damit Herrn Haustein ab, der diese Position fast während des gesamten Bestehens der Zeitschrift innehatte. Ein Exemplar der Zeitschrift kostete zu dieser Zeit 1,50 € (für Insassen und Bedienstete nur 0,50 €).

Ab April 2011 fand sich ein neues Redaktionsteam zusammen. Schnell rückte auch der Name der Zeitschrift ins Visier der Crew. Eine Gefangenenzeitschrift deren Namen einen Bankraub beschreibt und beinahe heroisiert? Das passt doch nicht wirklich, war die Meinung der Redakteure. Also sollte ein neuer Name her. DENKSTOFF war monatelang die Lösung. Erst später wurde die Idee ZELLSTOFF in den Raum geworfen.

Im November 2011 erschien die erste Ausgabe mit neuem Namen - durchgehend farbig und erstmals kostenfrei. Die Gestaltung wurde von Herrn Schlote übernommen, der Druck seitens der Anstalt finanziert. Nach wenigen Ausgaben war die Redaktion, was das Layout betrifft, wieder sich selbst überlassen.

Die Zeitschriften wurden nun mit Hilfe von Microsoft Publisher erstellt, die Ausgaben erschienen in schwarz-weiß, lediglich die Titelseiten waren farbig.

Anfang 2015 wurde der bisherige Obmann Herr Bauer durch Herrn Wagner abgelöst. Die ZELLSTOFF sollte künftig wieder komplett farbig sein und die Mehrkosten durch eine verringerte Seitenzahl teilweise aufgefangen werden. Der Förderverein „Silberstreif“ unterstützte die Anschaffung eines eigenes Layoutprogramms.

Die heute farbigen Hefte erscheinen zweimal jährlich in einer Auflage von rund 250 Stück. Der Druck wird von der Anstalt bezahlt, das Heft bleibt weiterhin kostenlos.

Foto: Das Redaktionsteam macht sich während eines Workshops mit einer Journalistin Notizen. Bildrechte: JVA Uelzen
Das Redaktionsteam während eines Workshops mit einer Journalistin.
Foto: Titelseite der Uelzener Gefangenenzeitschrift "Zellstoff" Heft 1/2020   Bildrechte: JVA Uelzen

Titelcover der "Zellstoff" Heft 1/2020

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Herr Wagner

Justizvollzugsanstalt Uelzen
Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit, SB Hauptgeschäftsstelle
Breidenbeck 15
29525 Uelzen
Tel: 0581/802 - 121
Fax: 0581/802 - 160

www.justizvollzugsanstalt-uelzen.niedersachsen.de

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